Nie hätte ich das gedacht!

Es war mir bewusst, es ist anstrengend, einen Welpen zu betreuen.
Es war mir bewusst, Luzy muss noch viel lernen über die Menschenwelt.
Es war mir bewusst, ich muss noch viel lernen über ein Hundebaby.

Nie im Leben habe ich daran gedacht, wir könnten scheitern.
Nie im Leben habe ich daran gedacht, dass Luzy nur eine Woche bei mir sein wird.
Nie im Leben habe ich daran gedacht, Liebe alleine könnte nicht ausreichen.

Ich habe übersehen, dass Hunde mehr brauchen als Zuneigung.
Ich habe übersehen, dass Luzy mit ihrem Temperament und ihrer Größe viel mehr Platz braucht als ich zur Verfügung habe.
Ich habe übersehen, dass ich als Hundeanfängerin nicht die Klarheit besitze, ihr die Grenzen aufzuzeigen, die sie als Orientierung benötigt.

Nie hätte ich gedacht, dass es so weh tut, mir all das einzugestehen.
Nie hätte ich gedacht, dass ich sie wieder loslassen muss.
Nie hätte ich gedacht, dass Luzy wo anders besser aufwachsen kann als bei mir.

Dennoch spüre ich in meiner tiefen Traurigkeit, es ist die richtige Entscheidung, dich liebe Luzy in andere Menschenhände zu übergeben. Du bist ganz großartig und hast alles richtig gemacht.
Bye bye, Baby Luzy, du warst mir ein Geschenk!

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Wer hätte das gedacht!

Luzy ist eine Überraschung.
Luzy kam überraschend nicht in der Nähe von Sarajewo sondern in Stockerau zur Welt.
Luzy hat überraschend viele Geschwister, nämlich neun.
Ihre Hundemama ist, für ihre Lebensgeschichte als bosnischer Straßenhund, eine überraschend vertrauensvolle, ausgeglichene Hündin.

Luzy hatte einen verzögernden Start ins Leben. Als schwächster Welpe benötigte sie Unterstützung, die sie von Tanija & Kathi erhielt. Sie wurde mit der Spritze zugefüttert bis sie kräftig genug war, sich einen Platz an Mamas Zitzen zu erkämpfen. Doch als sie den dann hatte, wuchs sie überraschend rasch und mit ihr Selbstbewusstsein und Neugierde.

Mich überraschte Luzy, als sie bei unserer ersten Begegnung meine Arme als Schlafplatz wählte.
Ob sie überrascht war, dass ich spontan zusagte, sie mit 8 Wochen zu mir zu nehmen, ist mir nicht überliefert.
Da der Tierschutzbund, mangels Kenntnisse über den Vater, keine Einschätzung hat, ob das Fell wuschelig wird, die Ohren hochstehend oder wie groß sie wird, werde ich mich auch davon überraschen lassen.
Luzy ist eine Überraschung.
Schön, dass sie heute bei mir eingezogen ist.
In meinem Herzen hat sie schon vor vier Wochen Platz eingenommen … und das ist nicht weiters überraschend.

Redt‘s mit mir

… das mag verwundern als „take away“ von einem Singtag, aber nicht von einem Singtag mit Eva Campbell-Haidl, nicht von dem Singtag letzte Woche am Friedrichshof.

Wie immer schafft Eva eine Atmosphäre, geprägt von freudiger Neugier sowie Vertrauen in ihr Tun. Ihre Anleitungen sind wohl klingend durch ihr Vorsingen, klar in den Lernschritten und getragen von humorvoller Leichtigkeit.

Bei Liedern, deren Texte Irritationen bringen, weil die Tageszeit nicht stimmt (es ist schon lange nicht mehr „morning“) oder die Worte positiver sind als man sich gerade fühlt, führt uns Eva ins magische Und was wäre, wenn’s so wär? Sie motiviert uns, uns individuell aktiv einzubringen. Mit dieser Ausrichtung hebt sich zauberhaft Klang und Empfindung.

Bei Verzagtheit begleiten uns ihre Aufmunterungen ihr müsst nicht wissen, wie‘s geht. Sich für das Lied zu öffnen, darin sieht sie pure intelligence.

Das Singen zieht wohlig warm durch meinen Körper und die Freude strahlt aus meinem Gesicht. Und dann macht Eva noch einen Raum auf.

Sie ladet laufend dazu ein, nachzuspüren, was das Lied mit uns macht, welche Stimmung wir wahrnehmen. Talk to me, fordert sie uns auf, redt’s mit mir.
Ich gebe zu, zeitweise regt sich dabei in mir Ungeduld. Ich will singen, nicht denken, nicht reden. Doch das Vertrauen in ihren Zugang hält mich. Ich spüre hin. Ich lausche den Eindrücken der anderen. Ich erkenne, da entfaltet sich eine weitere Ebene.

Die wundervollen Aspekte des gemeinsamen Singens – Kraft, Geborgenheit, Präsenz, Bereicherung, Freude – treten klarer ans Licht. Sie festigen sich, denn ich gebe ihnen Worte. Sie rücken mir näher, berühren mich. Ich weiß, die Qualitäten sind immer vorhanden. Doch die Behutsamkeit, mit der ich sie mir herhole, bewundere und benenne, verankern sie tief in meinem Bewusstsein.

Evas Redt’s mit mir erweitert meine Wahrnehmung, das Singen zu erleben.
„Magic“, sagt eine Teilnehmerin zum Abschluss. Ja, ich find’s auch bezaubernd.

„LANG – FRIES – DICK, aber nix is für immer“


Ein Minidrama
Mitspielende: Frau LANG – Frau FRIES – Herr DICK
Ort: eine Hundewiese in Wien
Zeit: ein Freitag ungefähr 9.23 Uhr
Hinweis: Dialekte sind Sprachversionen ohne eigene Schriftsprache. Die Dialoge in diesem Text bitte phonetisch lesen.

Einleitende Worte:
Der Picknicktisch wackelt. Schon immer. Aber nach dem Regen besonders, da der unebene Boden noch mehr nachgibt. Der Picknicktisch ist eine Bank-Tisch-Kombination aus Holz, die die Stadt Wien manchmal auf Wiesen stellt. Zur freien Benutzung. Dieser Picknicktisch ist ein Stammtisch. Schon lange. Besonders an Tagen, an denen die Sonne scheint. Dieser Picknicktisch steht auf einer Hundewiese. Das scheint mir eine wichtige Information.

Gertrude LANG sitzt auf ihrem Stammplatz. Max der Pekinese auch, nämlich auf dem Tisch. Also der Hund. Der Hund sitzt auf dem Tisch. Frau LANG nicht. Sie sitzt mit Blick über die Wiese. Sie krault ihren Max und schiebt ihm Hundeleckerlis ins Maul. Sein Schwanz wischt über den Tisch. Aus seinem Kopf steigt Rauch auf. Das schaut nur so aus, denn Gertrude LANG raucht Kette direkt vor seiner Schnauze. Das ist irrelevant für die Geschichte, aber die Wahrheit. Auch ist noch nicht klar, was wirklich wichtig ist für die Geschichte. Da müssen Sie sich bitte ein wenig gedulden. Das wird sich zum Schluss herausgestellt haben. Das kann ich nicht schon alles zu Beginn wissen.

Fr. LANG: Heut kömma net long bleiben, heut gemma boid ham, da koch ma uns was guats, gö? Gö Maxi?

Fr. FRIES: Trixi, da kumm her! Trixi, bei Fuß! Trixi, da her, hob i gsagt! Trixi, TRIXI, TRIIIXII, hearst, hearst du net?

Beschreibende Worte:
Die Schnauzer-Hündin Trixi jagt über die Wiese. Elfriede FRIES keucht hinterher auch weil sie ihre Luft verbrüllt hat. Trixi hat es eilig. Sie will zu Max, eigentlich zu Frau LANG, na eigentlich zu den Leckerlis. Wie jeder Hund.

Fr. LANG: Jessas Trixi, wos hot di denn bissen? Narrische Henn. Ja grias di, ja, is ja guat. Ja was hob i denn da? Na was denn? Sitz Trixi, sitz. Brave Trixi, da, weilst so brav bist, do a Leckerli, jo brave Trixi, brav. Ja Maxi, ja du bist a a Braver. Do, jo brav.

Fr. FRIES: Wegen derer krieg i no amal a Schlagerl. Bledes Viech, bledes. Servas Trude. Du mir tuan so die Fiaß weh heut. Do kummt sicher a Wedder. Wos kochst denn heut? Ich hab scho kocht, a scho für murgn. Dabei is der Tiefkühla bumvoi. Zwetschkenkuchen muas i no mochen, i hab so vüle Zwetschken daham. Des wor a Zwetschkensommer heier.

Fr. LANG: I muas a boid geh, I muas ham kochen. Elfi, host du den Otto di Wochn scho gsehn? Kummt der nimma? Do hot’s do wos, oda?

Fr. FRIES: Wos wahs i … wos kochst‘n?

Fr. LANG: I hob a Fleisch kauft. Im Angebot beim penny. Da moch i Knedln dazua und für‘n Maxi an Reis, der hot’s mit‘n Mogn. Hearst Trixi, was bist denn allerweil so nervös hearst. Moch sitz, gib a Ruah. Ich glaub du muast mit derer zur Ärztin, die hat Wallungen oder so was.

Fr. FRIES: Jo do schau her, da kummt der Otto. Schlecht schaut a aus, is jo nur Haut und Bana. Glaubst is a kronk? Oder sauft er wieder? Schau wie langsam der geht? Glaubst hot a Krebs?
Servas Otto, guat schaust aus? Dass die a moi wieder blicken losst.

Beschreibende Worte:
Otto DICK lässt sich langsam auf die Bank nieder. Er sitzt neben Elfriede FRIESS. Da er seine langen dünnen Beine nicht unter den Tisch einfädeln will, bleibt er mit dem Rücken zum Tisch sitzen. Das macht er immer. Er wendet den Kopf den zwei Frauen zu. Heute etwas steifer als sonst. Ich glaub auch, da hat‘s was.

Hr. DICK: Grüß Gott die Damen. I bin spät heut, weil des Gfrast hot ma die Tia vur der Nosn zuagmacht. Grinst hot a ah no deppert und is gfohrn. Auf die nächste Bim hob i ewig gwart. Aber wos soi‘s, is sowieso olles Scheiße.

Fr. LANG: Wo is’n der Bello?

Hr. DICK: Okratzt is a mia. Am Dienstag! Afoch umgfallen und hinn war er. Jetz muas is nimmer auße bei jeden Wedder. Aber zhaus hoid i’s net aus. Die Mitzi tonzt ma die ganze Zeit vorm Gsicht umadum und red und red

Fr. FRIES: Nimmst da wieder an Hund? I tatat ma glei wieder an nemma.

Hr. DICK: Die Mitzi sogt na. Spor ma uns des Göd, sagt’s. I was ned. Liabs san scho aber se san ja scho ah anstrengend die Viecherln. Und wer was, wie long ma no so guat kennan wie jetza.

Beschreibende Worte:
Gertrude LANG krault Knoten in Max‘ Fell. Ihre Wangen sind tief eingefallen, vom intensiven Ziehen an der Zigarette.

Fr. LANG: Na bitte, i konn mia des net vorstellen ohne Maxi, na a Wahnsinn, na bitte Herrgott loss ma den Maxi. I tatat glei mitsterbn. Na, um Gott’s Wün.

Fr. FRIES: Jo, ohne mei Trixi will I ah net lebn. Gö Trixi Schatzi, gö? Mach Platz Trixi. Mach Platz. Sitz Trixi, sitz jetza, sitz, Platz, gib a Ruah.

Hr. DICK: Ja aber es Damen sat’s ja no Jungspatzn. Es kennt‘s no langfristig planen so in die Zukunft eine, aber bei mir, na I was net.

Fr. LANG: Ober geh Otto, für niemanden is nix für immer. Ober mia leb‘n nur amoi und zwar jetza.

Abschließende Worte:
Elfi FRIES und Otto DICK schauen Trude LANG mit großen Augen an. Auch Trude LANG macht große Augen. Sie ist selbst überrascht, was ihr da rausgrutscht is. Normalerweise liest sie so was Gscheites nur in der Zeitung. Ein Lächeln zieht über ihr Gesicht.

Das ist das Ende.

Finden Sie es nicht auch immer wieder interessant, wie manche Geschichten verlaufen, wenn man sie laufen lässt? Dem Schreiben die Freude lassen. Aufnehmen, was gerade kommt. Schönen Tag Ihnen!

Schlechtwetterfront


Wenn die Wolken tief hängen, bereiten sie ein Konzert vor
Wenn die Wolken tief hängen, braut sich was zusammen
Wenn die Wolken tief hängen, drehe ich das Licht auf
Wenn die Wolken tief hängen, erinnert wenig an die Sonne
Wenn die Wolken tief hängen, erzählen sie das Blaue vom Himmel
Wenn die Wolken tief hängen, fallen die Farben zu Boden
Wenn die Wolken tief hängen, fehlt mir das Lachen
Wenn die Wolken tief hängen, freue ich mich auf den Wind
Wenn die Wolken tief hängen, gieße ich keine Blumen
Wenn die Wolken tief hängen, haben sie schwer zu tragen
Wenn die Wolken tief hängen, hat der Himmel mehr Platz
Wenn die Wolken tief hängen, ist das ganz normal
Wenn die Wolken tief hängen, scheint darüber die Sonne
Wenn die Wolken tief hängen, sieht man keine Sterne
Wenn die Wolken tief hängen, sind Umarmungen hoch im Kurs
Wenn die Wolken tief hängen, sitzen die Tränen locker
Wenn die Wolken tief hängen, verstellen sie die Sicht nach oben
Wenn die Wolken tief hängen, will der Regen spielen
Wenn die Wolken tief hängen, wird mir alles eng
Wenn die Wolken tief hängen, wünsche ich mich hoch hinauf

Ratschkattl * – neulich bei der Hitz‘

Basena0761_blogMein PC entschied, zu heiß, Totalabsturz.
Aber ich kenn da wen, der ist super und der bleibt auch beim hysterischsten „ich-hab-schon-sooo-lang-nicht-mehr-gesichert!“ ganz ruhig und macht alles wieder gut. Er, der Retter hat sein Büro halt am anderen Ende von Wien, aber wurscht. Ich sitz im A-Klasse-Mercedes einer car-sharing-Flotte, mein 1a-frisch-aufgesetzter Rechner sitzt im Kofferraum. Draußen brodelnde Hitze, im Auto „frische“ AC-Kühle. Direkt vor dem Haustor ein Parkplatz, perfekt. Ich steig aus, Miete beenden, die Autotüren clicken … „SHIT, der Rechner, is noch drin, na super g‘scheit“. Nun gut, muss ich halt nochmals das Auto kurz anmieten, … „WHAT??“
In den 30 Sekunden Reaktionszeit hat wer das Auto schon wieder reserviert. Ich steh da mit hochrotem Kopf, geb der Hitz‘ die Schuld für alles. Ich starr auf die Autoaufschrift „proud to share“, ha ha sehr witzig! Das gelbe Licht am Verleih-Display blinkt mich höhnisch an.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Bis zu 30 Minuten kann man vorreservieren. Doch ich habe Glück, schon nach 10 Minuten kommen zwei Personen direkt auf das Auto zu. Sie schauen mich argwöhnisch an. „Entschuldigung, ich hab meinen Computer im Kofferraum vergessen, darf ich?“ Ich darf. Mein PC und ich verlassen gemeinsam die Bühne. An solchen Tagen, kann sich der Sommer brausen gehn, find ich.

*Die Ratschkattl in meiner Definition, ist eine begeisterte Erzählerin von belanglosen Alltagsbegebenheiten.

Morgenrunde – eine Beobachtung mit freien Zutaten

Mit krummen Rücken stapft sie die steile Wiese herauf. Ich erkenne sie. Sie trägt einen gemusterten Kittel über dem langen Rock. Strümpfe aus grober Wolle verschwinden in hohen Wanderschuhen. Das Kopftuch ist unter dem Kinn gebunden. Beide Hände umschließen Walkingstöcke. Schon letzten Herbst begegnete ich ihr hier auf dieser Naturpfad-Runde. Ich sitze bei der Informationstafel fünf Meter neben der Bergwachtmarienkapelle. Sie kommt auf mich zu. Die blauen Augen hellwach, den Blickkontakt haltend, ein stimmstarker Gruß, ein Goldblitz aus ihrem Mund, die Gesichtshaut in tausend tanzende Falten gefächert. Sie geht an mir vorbei zur Kapelle, öffnet das Gatter, schließt es hinter sich, lehnt ihre Stöcke an den Zaun und setzt sich mit Blick zur Gottesmutter Maria.

Die Bank ist ein schmales Brett und die Querstrebe vom Gatter drückt hart auf die Wirbelsäule. Kein Ort zum gemütlichen Verweilen. Im Rücken Almwiesen, die zu vereinzelten Häusern abfallen um dann wieder zu Fichtenwäldern aufzusteigen. Die Sonne trifft am Vormittag den Nacken der dort Sitzenden und beleuchtet die hölzerne Marienstatue. „Drückt dich ein Weh‘, zur Mutter geh‘. Und sag es Ihr, gern hilft sie dir“ ist blau auf das Altartuch gestickt. Frische Schnittblumen am Steinboden neben der Bank, Topfpflanzen am Altar. Der untere Teil der Holztür, ist mit Bauernmalerei und dem in sich verschränkten Schriftzug MARIA verziert. Im oberen Teil ist ein Eisengitter eingesetzt, um den Blick in das Kapelleninnere freizugeben.

Die Frau bekreuzigt sich mit dem Daumen der rechten Hand auf Stirn, Mund und Brustkorb und legt dann die Hände in den Schoß. Ihr nach vorne gebeugter Oberkörper hebt und senkt sich mit den tiefen schnellen Atemzügen. Die Bewegung wird langsam flacher, der Aufstieg ist geschafft. Ich will sie nicht länger beobachten, will ihr Raum geben. Ich gehe hinter ihr vorbei um den Einstieg zum Natur-Lehrpfad zu nehmen. Eine Spazierrunde dauert etwa 30 Minuten. Der gemäßigte Rhythmus meiner Schritte spielt mir Bilder zu … dreht, legt, steht, rührt, füllt, schleppt, streicht, rupft, reicht, …

Sie dreht ihr dünnes Haar in einen Knoten und legt das Haarnetz drüber
Sie steht am Herd und rührt mit blauen Fingern in einem großen Topf Schwarzbeeren
Sie füllt Glas um Glas mit Hollerkoch
Sie schleppt einen Korb Bügelwäsche in die Stube
Sie streicht das Tischtuch glatt
Sie rupft Unkraut aus dem Salatbeet
Sie reicht ihrer Enkeltochter einen Holzlöffel zum Spielen

Es sind szenische Blitzlichter, keine ruhigen Standbilder, in denen ich Details nachgehen könnte.

Ich weiß nichts von dem Leben dieser Frau. Ich nehme an, es war mit harter, körperlicher Arbeit verbunden, mit Pflichten ausgefüllt. Jetzt im Alter werden die Aufgaben weniger, sie findet Zeit für einen Spaziergang.

Ich sehe, wie sie sich im Vorraum auf einem Sessel sitzend, vorn über beugt und ihre braunen Lederschuhe schnürt. Sie stützt ihre Hände auf die Oberschenkel und stemmt sich in die Höhe. Sie streckt ihre steifen Gelenke. Sie nimmt die Walkingstöcke, geht über den Kies des Hofes. Als sie nach 20 Metern auf den Ziehweg hinaustritt, ist sie sich eingegangen, sie wirkt beweglich und verjüngt. Die Morgenrunde führt sie täglich rauf zum Natur-Lehrpfad. Täglich bedankt sie sich für diesen Luxus bei der Heiligen Maria.