Schlechtwetterfront


Wenn die Wolken tief hängen, bereiten sie ein Konzert vor
Wenn die Wolken tief hängen, braut sich was zusammen
Wenn die Wolken tief hängen, drehe ich das Licht auf
Wenn die Wolken tief hängen, erinnert wenig an die Sonne
Wenn die Wolken tief hängen, erzählen sie das Blaue vom Himmel
Wenn die Wolken tief hängen, fallen die Farben zu Boden
Wenn die Wolken tief hängen, fehlt mir das Lachen
Wenn die Wolken tief hängen, freue ich mich auf den Wind
Wenn die Wolken tief hängen, gieße ich keine Blumen
Wenn die Wolken tief hängen, haben sie schwer zu tragen
Wenn die Wolken tief hängen, hat der Himmel mehr Platz
Wenn die Wolken tief hängen, ist das ganz normal
Wenn die Wolken tief hängen, scheint darüber die Sonne
Wenn die Wolken tief hängen, sieht man keine Sterne
Wenn die Wolken tief hängen, sind Umarmungen hoch im Kurs
Wenn die Wolken tief hängen, sitzen die Tränen locker
Wenn die Wolken tief hängen, verstellen sie die Sicht nach oben
Wenn die Wolken tief hängen, will der Regen spielen
Wenn die Wolken tief hängen, wird mir alles eng
Wenn die Wolken tief hängen, wünsche ich mich hoch hinauf

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Ratschkattl * – neulich bei der Hitz‘

Basena0761_blogMein PC entschied, zu heiß, Totalabsturz.
Aber ich kenn da wen, der ist super und der bleibt auch beim hysterischsten „ich-hab-schon-sooo-lang-nicht-mehr-gesichert!“ ganz ruhig und macht alles wieder gut. Er, der Retter hat sein Büro halt am anderen Ende von Wien, aber wurscht. Ich sitz im A-Klasse-Mercedes einer car-sharing-Flotte, mein 1a-frisch-aufgesetzter Rechner sitzt im Kofferraum. Draußen brodelnde Hitze, im Auto „frische“ AC-Kühle. Direkt vor dem Haustor ein Parkplatz, perfekt. Ich steig aus, Miete beenden, die Autotüren clicken … „SHIT, der Rechner, is noch drin, na super g‘scheit“. Nun gut, muss ich halt nochmals das Auto kurz anmieten, … „WHAT??“
In den 30 Sekunden Reaktionszeit hat wer das Auto schon wieder reserviert. Ich steh da mit hochrotem Kopf, geb der Hitz‘ die Schuld für alles. Ich starr auf die Autoaufschrift „proud to share“, ha ha sehr witzig! Das gelbe Licht am Verleih-Display blinkt mich höhnisch an.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Bis zu 30 Minuten kann man vorreservieren. Doch ich habe Glück, schon nach 10 Minuten kommen zwei Personen direkt auf das Auto zu. Sie schauen mich argwöhnisch an. „Entschuldigung, ich hab meinen Computer im Kofferraum vergessen, darf ich?“ Ich darf. Mein PC und ich verlassen gemeinsam die Bühne. An solchen Tagen, kann sich der Sommer brausen gehn, find ich.

*Die Ratschkattl in meiner Definition, ist eine begeisterte Erzählerin von belanglosen Alltagsbegebenheiten.

Morgenrunde – eine Beobachtung mit freien Zutaten

Mit krummen Rücken stapft sie die steile Wiese herauf. Ich erkenne sie. Sie trägt einen gemusterten Kittel über dem langen Rock. Strümpfe aus grober Wolle verschwinden in hohen Wanderschuhen. Das Kopftuch ist unter dem Kinn gebunden. Beide Hände umschließen Walkingstöcke. Schon letzten Herbst begegnete ich ihr hier auf dieser Naturpfad-Runde. Ich sitze bei der Informationstafel fünf Meter neben der Bergwachtmarienkapelle. Sie kommt auf mich zu. Die blauen Augen hellwach, den Blickkontakt haltend, ein stimmstarker Gruß, ein Goldblitz aus ihrem Mund, die Gesichtshaut in tausend tanzende Falten gefächert. Sie geht an mir vorbei zur Kapelle, öffnet das Gatter, schließt es hinter sich, lehnt ihre Stöcke an den Zaun und setzt sich mit Blick zur Gottesmutter Maria.

Die Bank ist ein schmales Brett und die Querstrebe vom Gatter drückt hart auf die Wirbelsäule. Kein Ort zum gemütlichen Verweilen. Im Rücken Almwiesen, die zu vereinzelten Häusern abfallen um dann wieder zu Fichtenwäldern aufzusteigen. Die Sonne trifft am Vormittag den Nacken der dort Sitzenden und beleuchtet die hölzerne Marienstatue. „Drückt dich ein Weh‘, zur Mutter geh‘. Und sag es Ihr, gern hilft sie dir“ ist blau auf das Altartuch gestickt. Frische Schnittblumen am Steinboden neben der Bank, Topfpflanzen am Altar. Der untere Teil der Holztür, ist mit Bauernmalerei und dem in sich verschränkten Schriftzug MARIA verziert. Im oberen Teil ist ein Eisengitter eingesetzt, um den Blick in das Kapelleninnere freizugeben.

Die Frau bekreuzigt sich mit dem Daumen der rechten Hand auf Stirn, Mund und Brustkorb und legt dann die Hände in den Schoß. Ihr nach vorne gebeugter Oberkörper hebt und senkt sich mit den tiefen schnellen Atemzügen. Die Bewegung wird langsam flacher, der Aufstieg ist geschafft. Ich will sie nicht länger beobachten, will ihr Raum geben. Ich gehe hinter ihr vorbei um den Einstieg zum Natur-Lehrpfad zu nehmen. Eine Spazierrunde dauert etwa 30 Minuten. Der gemäßigte Rhythmus meiner Schritte spielt mir Bilder zu … dreht, legt, steht, rührt, füllt, schleppt, streicht, rupft, reicht, …

Sie dreht ihr dünnes Haar in einen Knoten und legt das Haarnetz drüber
Sie steht am Herd und rührt mit blauen Fingern in einem großen Topf Schwarzbeeren
Sie füllt Glas um Glas mit Hollerkoch
Sie schleppt einen Korb Bügelwäsche in die Stube
Sie streicht das Tischtuch glatt
Sie rupft Unkraut aus dem Salatbeet
Sie reicht ihrer Enkeltochter einen Holzlöffel zum Spielen

Es sind szenische Blitzlichter, keine ruhigen Standbilder, in denen ich Details nachgehen könnte.

Ich weiß nichts von dem Leben dieser Frau. Ich nehme an, es war mit harter, körperlicher Arbeit verbunden, mit Pflichten ausgefüllt. Jetzt im Alter werden die Aufgaben weniger, sie findet Zeit für einen Spaziergang.

Ich sehe, wie sie sich im Vorraum auf einem Sessel sitzend, vorn über beugt und ihre braunen Lederschuhe schnürt. Sie stützt ihre Hände auf die Oberschenkel und stemmt sich in die Höhe. Sie streckt ihre steifen Gelenke. Sie nimmt die Walkingstöcke, geht über den Kies des Hofes. Als sie nach 20 Metern auf den Ziehweg hinaustritt, ist sie sich eingegangen, sie wirkt beweglich und verjüngt. Die Morgenrunde führt sie täglich rauf zum Natur-Lehrpfad. Täglich bedankt sie sich für diesen Luxus bei der Heiligen Maria.

Mittendrin Trilogie, III: Der Garten

Aufgefüllt mit listenlangen Eindrücken, ziehe ich weiter.

Der Garten schenkte mir … (ein kurzer Auszug)
… den Kater, der den sonnengewärmten Steinboden als Yogamatte nutzt
… das Frühstück in der Morgensonne
… das Abendessen in der Abendsonne
… das Lesen unter blauem Himmel
… das Schreiben unter Schäfchenwolken
… die Plätscher-Pläuschchen mit dem Teich
… die Eichhörnchen mit ihren waghalsigen Sprüngen
… die Krähe, die das alte Katzenfutter im Teich einwässert und dann verschlingt
… die Clematis, die die Hausmauer erblühen lässt
… die Kräuter, die mein Butterbrot schmücken
… die Gänseblümchen für den Salat
… die Spiegel, die den Himmel pflücken
… den Wind, der die Blätter berauscht
… den Regen, der auf der Erde aufklatscht
… das Amselmännchen, das ein Kopf- und Flügelbad im Teich nimmt
… das Amselweibchen, das kurz danach ein Kopf- und Flügelbad nimmt
… das Gras, das sich zwischen meine Zehen schiebt
… die Oleander, die gierig Gießkanne um Gießkanne leer trinken
… die Pfingstrosen, die mir stolz ihr Rot zuwerfen
… eine Geborgenheit, die mich in den Arm nimmt
… ein Aroma, das eine Blumenwiese in meiner Lunge wachsen lässt
… eine Gelassenheit, die mich sanft hin- und herschaukelt
… eine Verbundenheit, die mich in ihrer Selbstverständlichkeit beglückt

Mein Dank, du wundervoller Platz, mein Dank!

Mittendrin Trilogie, II: Der Kater

Mittlerweile habe ich die Gartenschläuche im Griff, und Tom mich.
Die Schlafzimmertür geschlossen zu halten erspart mir den Schreck von einem Kater auf meinem Gesicht aufzuwachen. Geweckt werde ich trotzdem. In den vergangenen Tagen setzte um 5:21, 5:10, und heute um 5:38 ein Maunz-Konzert ein, beginnend als concerto forte, dann in seiner Fortdauer fortissimo. Es ist erstaunlich wie ausdauernd Tom ist, und wie laut.

Ich schaffe es höchsten fünf Minuten so zu tun, als ob ich nichts hören würde. Dann schau ich zur Tür und seh sein leicht an die Glasscheibe gedrücktes Gesicht. Sein Miauen scheint mir so eindringlich und mitleiderregend, ich gebe auf und starte in den noch sehr frischen Tag.
Doch ich habe mich mit seiner Dominanz in der Früh abgefunden. Schließlich bin ich Gast in seinem Haus, schließlich ist er ein hoch betagter, dünner Kater, schließlich ist er sonst ein süßer Schmusekater, der mich mit lustigen Posen unterhält. Und schließlich ist sein vollständiger Name nicht Tom sondern Domino und die Steine sind eindeutig zu seinen Gunsten gefallen.
(Trilogie, III: Der Garten)

Mittendrin Trilogie, I: Ein Anfang

Um 4:47 wurde ich von Tom geweckt.
Nein, nicht mit einem Kuss.
Mit einem Sprung aufs Bett, Tom ist ein Kater.
Mit einer Pfote auf meiner Wange, weil Tom ist ein Kater
Meinem „Jeeez, Tom!“ begegnete er mit einem stoischen Blick, den ich mir eigentlich nicht gefallen lassen wollte, aber, Tom ist ein Kater.
Mein halbherziges Kraulen am Hals, nahm er hingebungsvoll an.
Meine damit verknüpfte Botschaft „okay und jetzt lass mich noch weiter schlafen“ hingegen nicht.
Lies ich meine Hand sinken, rieb er seinen Kopf an meiner Schulter und schnurrte mir ins Ohr.
„He, wir kennen uns doch gar nicht so gut, wie kannst du so furchtlos schmusen, geh weg!“
Doch er ging nicht. Tom ist ein Kater, ohne Distanzgefühl, mit Hunger.
Ich stand auf.

Darf man um 5:30 schon den Garten gießen?
Ich beschloss ich darf. Sollte sich wer beschweren, würde ich anklagend auf Tom zeigen.
So ein Gartenschlauch-Wasser-Zischen wird ja wohl niemanden wecken, oder?
Der Meinung bin ich immer noch, wenngleich bei schrillen Schreien, könnte diese kippen.
Sie sind mir rausgerutscht, okay?
Irgendwie hatte ich noch nicht ganz die Übersicht über das Gartenschlauch-Trio, das unterschiedliche Teile des Gartens bewässern soll, eigentlich manuell. Aber bei einem ist auch so eine Erdspießdüse unterm Busch angeschlossen und mit Gießkannen musste ich auch rumlaufen und die Oleander-Tröge zuschütten. Nun ja, Fakt ist, ich kam zweimal gehörig unter Wasser, und meine Überraschung artikulierte ich spitz und schrill.
Schlussendlich bewältigte ich die Gießaufgabe ohne Verletzungen, die entstandenen Knoten, konnten alle gelöst werden. Auch Unmutsäußerungen der Nachbarn blieben aus, und das klatschnasse Gewand, nun ja, das trocknet bis morgen.
Nur gut, dass mich niemand gesehen hat. Und das war nicht nur der Uhrzeit geschuldet, sondern vor allem weil ich ja Katz & Haus hüte, weil niemand da ist – duh!
Mein learning: die Schlafzimmertür wird zugemacht und diese hinterhältige Spritzdüse, die merk ich mir. (Trilogie, II: Der Kater)

 

Ratschkattl * – neulich WIEder

Basena0761_blogKennt ihr das, dieses Hängenbleiben am WIE?
Ich will in den Schreibfluss kommen, aber WIE?
Ich tät so gern viele Interessierte erreichen, aber WIE?
Ich möcht von dem leben können, was ich so gern tu, aber WIE?
Dieses leicht theoretische WIE schiebe ich mir in den Weg, um zu erklären, warum ich nicht tu, „ja leider, ich tät ja gern, aber ich weiß halt noch nicht WIE!“
Es ist ein modernes, mobiles WIE, also leicht, klein, handlich. Das WIE ist immer griffbereit. Ach was, was rede ich da, das WIE ist eine App, … nein, nein es ist ein virtuelles WIE, es braucht gar keine physische Form. Ich trag also das WIE mit mir rum und vor mir her und keiner kann es sehen und deswegen muss ich es immer erklären und so tun, als wüsste ich WIE.
Oder – Moment mal – ich muss das WIE ja eigentlich gar nicht wissen, ich könnt ja einfach tun … nein, nein, bitte jetzt nicht nach dem __ fragen, danke.
Ja ich weiß, das ist alles sehr verwirrend,  aber so geht’s zu in meinem Kopf und ich dachte, das solltet ihr wissen.

*Die Ratschkattl in meiner Definition, ist eine begeisterte Erzählerin von belanglosen Alltagsbegebenheiten.