Mittendrin Trilogie, III: Der Garten

Aufgefüllt mit listenlangen Eindrücken, ziehe ich weiter.

Der Garten schenkte mir … (ein kurzer Auszug)
… den Kater, der den sonnengewärmten Steinboden als Yogamatte nutzt
… das Frühstück in der Morgensonne
… das Abendessen in der Abendsonne
… das Lesen unter blauem Himmel
… das Schreiben unter Schäfchenwolken
… die Plätscher-Pläuschchen mit dem Teich
… die Eichhörnchen mit ihren waghalsigen Sprüngen
… die Krähe, die das alte Katzenfutter im Teich einwässert und dann verschlingt
… die Clematis, die die Hausmauer erblühen lässt
… die Kräuter, die mein Butterbrot schmücken
… die Gänseblümchen für den Salat
… die Spiegel, die den Himmel pflücken
… den Wind, der die Blätter berauscht
… den Regen, der auf der Erde aufklatscht
… das Amselmännchen, das ein Kopf- und Flügelbad im Teich nimmt
… das Amselweibchen, das kurz danach ein Kopf- und Flügelbad nimmt
… das Gras, das sich zwischen meine Zehen schiebt
… die Oleander, die gierig Gießkanne um Gießkanne leer trinken
… die Pfingstrosen, die mir stolz ihr Rot zuwerfen
… eine Geborgenheit, die mich in den Arm nimmt
… ein Aroma, das eine Blumenwiese in meiner Lunge wachsen lässt
… eine Gelassenheit, die mich sanft hin- und herschaukelt
… eine Verbundenheit, die mich in ihrer Selbstverständlichkeit beglückt

Mein Dank, du wundervoller Platz, mein Dank!

Advertisements

Mittendrin Trilogie, II: Der Kater

Mittlerweile habe ich die Gartenschläuche im Griff, und Tom mich.
Die Schlafzimmertür geschlossen zu halten erspart mir den Schreck von einem Kater auf meinem Gesicht aufzuwachen. Geweckt werde ich trotzdem. In den vergangenen Tagen setzte um 5:21, 5:10, und heute um 5:38 ein Maunz-Konzert ein, beginnend als concerto forte, dann in seiner Fortdauer fortissimo. Es ist erstaunlich wie ausdauernd Tom ist, und wie laut.

Ich schaffe es höchsten fünf Minuten so zu tun, als ob ich nichts hören würde. Dann schau ich zur Tür und seh sein leicht an die Glasscheibe gedrücktes Gesicht. Sein Miauen scheint mir so eindringlich und mitleiderregend, ich gebe auf und starte in den noch sehr frischen Tag.
Doch ich habe mich mit seiner Dominanz in der Früh abgefunden. Schließlich bin ich Gast in seinem Haus, schließlich ist er ein hoch betagter, dünner Kater, schließlich ist er sonst ein süßer Schmusekater, der mich mit lustigen Posen unterhält. Und schließlich ist sein vollständiger Name nicht Tom sondern Domino und die Steine sind eindeutig zu seinen Gunsten gefallen.
(Trilogie, III: Der Garten)

Mittendrin Trilogie, I: Ein Anfang

Um 4:47 wurde ich von Tom geweckt.
Nein, nicht mit einem Kuss.
Mit einem Sprung aufs Bett, Tom ist ein Kater.
Mit einer Pfote auf meiner Wange, weil Tom ist ein Kater
Meinem „Jeeez, Tom!“ begegnete er mit einem stoischen Blick, den ich mir eigentlich nicht gefallen lassen wollte, aber, Tom ist ein Kater.
Mein halbherziges Kraulen am Hals, nahm er hingebungsvoll an.
Meine damit verknüpfte Botschaft „okay und jetzt lass mich noch weiter schlafen“ hingegen nicht.
Lies ich meine Hand sinken, rieb er seinen Kopf an meiner Schulter und schnurrte mir ins Ohr.
„He, wir kennen uns doch gar nicht so gut, wie kannst du so furchtlos schmusen, geh weg!“
Doch er ging nicht. Tom ist ein Kater, ohne Distanzgefühl, mit Hunger.
Ich stand auf.

Darf man um 5:30 schon den Garten gießen?
Ich beschloss ich darf. Sollte sich wer beschweren, würde ich anklagend auf Tom zeigen.
So ein Gartenschlauch-Wasser-Zischen wird ja wohl niemanden wecken, oder?
Der Meinung bin ich immer noch, wenngleich bei schrillen Schreien, könnte diese kippen.
Sie sind mir rausgerutscht, okay?
Irgendwie hatte ich noch nicht ganz die Übersicht über das Gartenschlauch-Trio, das unterschiedliche Teile des Gartens bewässern soll, eigentlich manuell. Aber bei einem ist auch so eine Erdspießdüse unterm Busch angeschlossen und mit Gießkannen musste ich auch rumlaufen und die Oleander-Tröge zuschütten. Nun ja, Fakt ist, ich kam zweimal gehörig unter Wasser, und meine Überraschung artikulierte ich spitz und schrill.
Schlussendlich bewältigte ich die Gießaufgabe ohne Verletzungen, die entstandenen Knoten, konnten alle gelöst werden. Auch Unmutsäußerungen der Nachbarn blieben aus, und das klatschnasse Gewand, nun ja, das trocknet bis morgen.
Nur gut, dass mich niemand gesehen hat. Und das war nicht nur der Uhrzeit geschuldet, sondern vor allem weil ich ja Katz & Haus hüte, weil niemand da ist – duh!
Mein learning: die Schlafzimmertür wird zugemacht und diese hinterhältige Spritzdüse, die merk ich mir. (Trilogie, II: Der Kater)

 

Ratschkattl * – neulich WIEder

Basena0761_blogKennt ihr das, dieses Hängenbleiben am WIE?
Ich will in den Schreibfluss kommen, aber WIE?
Ich tät so gern viele Interessierte erreichen, aber WIE?
Ich möcht von dem leben können, was ich so gern tu, aber WIE?
Dieses leicht theoretische WIE schiebe ich mir in den Weg, um zu erklären, warum ich nicht tu, „ja leider, ich tät ja gern, aber ich weiß halt noch nicht WIE!“
Es ist ein modernes, mobiles WIE, also leicht, klein, handlich. Das WIE ist immer griffbereit. Ach was, was rede ich da, das WIE ist eine App, … nein, nein es ist ein virtuelles WIE, es braucht gar keine physische Form. Ich trag also das WIE mit mir rum und vor mir her und keiner kann es sehen und deswegen muss ich es immer erklären und so tun, all wüsste ich WIE.
Oder – Moment mal – ich muss das WIE ja eigentlich gar nicht wissen, ich könnt ja einfach tun … nein, nein, bitte jetzt nicht nach dem __ fragen, danke.
Ja ich weiß, das ist alles sehr verwirrend,  aber so geht’s zu in meinem Kopf und ich dachte, das solltet ihr wissen.

*Die Ratschkattl in meiner Definition, ist eine begeisterte Erzählerin von belanglosen Alltagsbegebenheiten.

Mondspiel

Der Mond zieht
sein Licht
über meinen Körper
verjagt den Schlaf

Der Atem schnappt nach Luft

Die Strahlen fahren
unter die Haut
zerren mein Herz
ins grelle Hell

Der Verstand versteht nichts

Berauscht
splittert die Klarheit
jault das Herz
tanzt das Weiß der Augen

Das Mondlicht gleitet
glatt weiter
lässt mich verrutscht
im Dunkeln

Der Schatten
greift nach meiner Hand
führt mich sanft
zurück
in den Schlaf


Vollmond Wien 31. März, 14:36 (Quelle)

OFF

Eigentlich war’s eine Flucht.
Raus aus den Weltnachrichten und den bedrückenden Stellungnahmen.
Raus aus der Wut, Traurigkeit, Empörung, Fassungslosigkeit.
Raus aus den Unterstützungs-Petitionen und -Kommentaren.
Verschwunden waren meine eigenen Ideen und Wünsche, weggefegt vom Orkan des Weltschmerzes.

Um mich in Ruhe wieder zu sammeln, flüchtete ich in einen Offline-Tag. Zur Draufgabe schaltete ich auch mein Handy ab. (Kurz die Panik, ob ich meinen pin überhaupt noch weiß!) Ich wollte einen Tag ohne Impulse von außen verbringen. Ich wollte herausfinden, was sich aus mir heraus aktiviert. Nun, das war nicht einfach. Denn der Nachhall der bereits aufgenommenen Eindrücke dröhnte mich den ganzen Vormittag zu. Ein Spaziergang im eisigen Wind führte zu einer rot-gefrorenen Nasenspitze und tränen-verkniffenen Augen. Meine Gedanken hüpften, wohlig warm gehalten unter Haube & Kapuze, weiterhin schreiend durcheinander. Erst am Nachmittag kehrte Ruhe ein. Ich versuchte, die Stille zu nutzen und mich auf meine Frage: „was will ich?“ einzulassen. Dabei schlief ich ein. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Schreiben, Essen und Lesen. Ich ging frühzeitig zu Bett, mit dem Gedanken: „Bin schon gespannt, was ich morgen nachlese!“

Erstaunt bin ich, dass so ein einziger Tag tatsächlich ein wenig nach „Entzug“ schmeckt.
Nachdenklich macht mich, wie mächtig unsere Online-Welt ist und wie sehr ich darin verstrickt bin.
Dies war mein erster, bewusst gewählter Offline-Tag. Ich denke, ich brauch immer wieder einen solchen, denn ich will, dass sich das „off“ normal anfühlt.

Einfach Singen – gemeinsam

Von den Wänden strahlt es eiskalt. Ich schau mich um, kann nicht glauben, dass ich nicht im Windzug eines offenen Fensters stehe. Aber sobald ich mich der Mitte des großen Stahl-Beton-Baus zuwende, wird mir wärmer. Fünf Frauen um den Altar einer Kirche, von der der Pfarrer selbst sagt, ja sie ist nicht nur karg sondern auch kalt. Aber, so heißt er uns willkommen, katholische Kirchen sind keine gemütlichen Orte, es sind die Menschen, die die Wärme und Geborgenheit hereinbringen. Und Menschen sind viele gekommen, an die 400 verteilen sich in den Bänken auf drei Seiten um den Altar. Sie sind einfach gekommen um einfach zu singen, so die Einladung zur 8. Nacht der spirituellen Lieder, die Heidi Clementi in Wien organisierte. Die Aufmerksamkeit aller ist auf die Singleiterinnen und Musikerinnen gerichtet. Nach kurzer Anleitung und durch Nachsingen erlernen wir Melodien aus aller Welt. Rhythmisch, tragend, gospelig, jodelig, besinnlich, dreistimmig, im Kanon, stehend, sitzend, tanzend. Melodien, die sich in einander verweben zu einem Klangteppich, geknüpft aus der Vielfalt der Lieder und 400 Stimmen. Die Töne schweben in unterschiedlichen Formationen in die Höhe, zerstäuben und rieseln als Freudensfunken wieder herab. Viele Hände sind zum Schutz vor der Kälte in den Manteltaschen vergraben, doch die Gesichter sind offen und leuchten. Diese vereinende Kraft im Miteinander-Singen be-rührt. Wir singen bis knapp vor Mitternacht und segeln dann auf den uns gewachsenen Flügeln nachhause. Im warmen Bett summt sich mein ganzer Körper, herzerfrischt in den Schlaf.
Deep in the heart of all creation, there is a song … and in the song of all creation, we all belong!


Eine
am Keyboard
Eine an der Gitarre
Eine an der Gitarre
Viele in den Bänken
Eine an den Percussions
Eine am Bass
Viele in den Bänken
Einer am Mischpult
Eine am Laptop
Viele in den Bänken
Alle an der Stimme, alle
singen
gemeinsam

Filmclip zu dieser Liedernacht