Tage wie dieser

Der Tag, der einfach beginnt
Der Tag, der nur gewinnt
Der Tag, der Antworten bringt

Der Tag, der ohne zu fragen anfängt
Der Tag, der ohne Fragen auskommt
Der Tag, der mich fragend anschaut
Der Tag, der nichts als Fragen aufwirft
Der Tag, der sich selbst in Frage stellt

Der Tag, der aus der Nacht herausplatzt
Der Tag, an dem alles passt
Der Tag, der mich abpasst
Der Tag, der auf mich aufpasst

Der Tag, der an die Tür klopft
Der Tag, der alle Fenster aufreißt
Der Tag, der sich Raum verschafft
Der Tag, der in den Keller fällt

Der Tag, der schon da ist
Der Tag, der noch kommt
Der Tag, der dem anderen folgt
Der Tag, vor dem ich ausruhe
Der Tag, für den ich ausruhe

Der Tag, der weiß, was er will
Der Tag, der weiß, was ich will
Der Tag, der mir geschenkt ist
Der Tag, der mich geschenkt will

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Ich bin die Gästin

Ich baute munter drauf los, weil’s einfach Spaß macht zu spielen, absichtslos, … und dann stand plötzlich eine Kuh vor mir. Im Rückwärtsgang machte ich noch schnell ein Foto und weg war ich.


Jetzt das Bild betrachtend denke ich, mein Land Art ist eine Art von Kataster. Ein Register der Weideflächen und auf jeder steht zumindest eine Kuh. Willkommen in der österreichischen Almlandschaft.

Kennst du das Kribbeln in der Magengrube, wenn du über den Weidezaun steigst vor dem ein Schild dich vor den beschützenden Mutterkühen warnt?
Kennst du das, wenn du kurz danach ein süßes Kälbchen siehst, das mitten am Weg steht und dir unmittelbar nach dem instinktiven „moi süß“ der Schrecken einfährt?
Kennst du das, wenn du ganz knapp an einer Gruppe liegender, kauender Kühe vorbeigehst und plötzlich stehen sie alle auf?
Kennst du das, wenn du dich freust, von den Kühen völlig ignoriert zu werden?
Kennst du das, wenn du beim Verlassen der Weide eine gewisse Erleichterung verspürst?
Kennst du das, wenn du nach drei Schritten – nach Sichtung von riesigen, frischen Kuhfladen – erkennst, du bist nur auf einer anderen Weide, mit anderen Kühen?
Kennst du das, wenn du den Stock, den du als Kuh-Distanz-halt-Prävention aufgehoben hast, beim ersten Aufsetzen auf den Boden krachend bricht und sich alle Kuhköpfe vom Grasen aufrichten um dich anzusehen?
Kennst du das, wenn du dich bei deinem Kuh-Distanz-halt-Stock bedankst weil du ihn nicht verwenden musstest und ihn dann sorgsam am Wegesrand platzierst?
Kennst du das, wenn du durch den Wald gehst und Kuhglocken hörst, du aber keine Kuh siehst?
Kennst du das, wenn du dir ganz sicher bist, die Kühe kommen immer näher, denn die Glocken werden eindeutig immer lauter, du schnell deine Jause einpackst und dann feststellst, die Kühe können gar nicht näher kommen, denn da ist ein Zaun zwischen dir und denen?
Kennst du das, wenn du denkst, warum sind die Kühe IMMER mitten auf deinem markierten (!) Wanderweg?
Kennst du das Erstaunen, wenn du „bleib“ sagst und der junge, neugierig auf dich zu trottende Stier bleibt tatsächlich stehen?

Ich bin die Gästin im Lebensraum der Kühe, das wird mir immer klarer. Ihre Gastfreundschaft gilt es zu würdigen.

Ratschkattl * – neulich bei den Blumen

Basena0761_blogIch liebe Blumen, ja wirklich, ich liiiiebe Blumen. Vor allem wenn sie noch auf der Wiese stehen. Da kann ich staunen und staunen. Über die, die sich ihrem natürlichen Umfeld angepasst haben, ganz nah am Boden wachsen und verschließbare Blüten haben, und über die, die ihrem Ambiente trotzen und mit langem dünnen Stängel und schwerem Kopf im Wind tanzen. Ich hab keine Ahnung von der Botanik und ich weiß weder wie die Blumen heißen, noch wie man ihre Teile richtig benennt, sorry, von mir lernt ihr da nix. Ich will euch nur erzählen, dass ich allergrößte Freude habe, wenn ich über Almwiesen spaziere – wie letzte Woche – und ständig „schau wie schön“ rufe. Wenn ich mich mit Entzücken hinunterbeuge und mit den Fingerkuppen sanft über die Blüten streiche und „schau wie schön“ rufe. Wenn ich meinen Blick schweifen lasse und hunderte bunte Flecken winken mir zu und ich, auf sie zeigend „schau wie schön“ rufe. Ja dann ist’s mir ganz blumig ums Herz und ich grinse ich von Ohr zu Ohr.

*Die Ratschkattl in meiner Definition, ist eine begeisterte Erzählerin von belanglosen Alltagsbegebenheiten.

Hello again!

Jedes Mal denke ich, das war’s jetzt, er kann mich nicht mehr treffen, doch dann, findet er auf einmal wieder Zugang unter meine Haut. Plötzlich ist er wieder da, grinst mir herausfordernd ins Gesicht und wirbt vehement um meine Aufmerksamkeit. Gelingt es mir auch schon besser ihm nicht meine volle Beachtung zu schenken, so bleiben doch immer wieder Bruchstücke seiner garstigen Zuschreibungen an mir haften und ich benötige etwas Zeit, mich von den klebrigen Zweifeln zu befreien. Derzeit verweilt er beharrlich in meiner Nähe, zupft am Rockzipfel, tanzt in mein Blickfeld. „Ich sag ja nur“, meint er dann. Ich soll mir doch nichts vormachen, „sei doch mal ehrlich, überleg dir das, ob du darauf stolz sein willst, du machst dich lächerlich, wenn du so tust, wie wenn das gut wär, …“. Er versteckt seine Kritik in Beteuerungen mich nur unterstützen zu wollen, um mein Potenzial auszuschöpfen. Immer wieder entscheide ich mich, mich abzuwenden, ihm nicht zuzuhören, mit ihm in keine Auseinandersetzung zu geraten, ihn weder vom Gegenteil zu überzeugen zu versuchen, noch ihm zu glauben – und das kostet Kraft und geht auf Kosten der Freude. In letzter Zeit hat er einige Runden gewonnen, er ist hartnäckig und ich zu empfänglich für seine „ehrlichen“ Einschätzungen. Ich hab ihn vor ein paar Tagen herausgefordert. Ich hab mir nichts dabei gedacht, wollte mich einfach ein wenig ausdehnen, nach was Neuem strecken und schon war er eingezogen mit Sack & Pack. Im Sack die Bewertungslisten, im Pack die Ausdauer.

Lieber Mr. Kritiker, ich bin es leid, dir auszuweichen und so sage ich dir ins Gesicht, du kannst deine Sachen packen und ausziehen, hier gibt’s für dich nichts zu tun. Mein Fokus ist wieder den vielen freudvollen Erkundungen zugewandt. Da kannst du im Schatten meines Rückens um Aufmerksamkeit winken und hüpfen, ich beachte dich nicht. Bye Mr. Kritiker, go get some sun, sie wird dir gut tun!

Hoher Norden

Nehmt bitte Platz, heute erzähle ich (endlich wieder) eine ad-hoc-Geschichte*

Ich stieg aus dem Bus, alle stiegen aus. Endstation. Mein Koffer, von mir kaum zu bändigen, ratterte die zwei Busstufen hinunter, gemeinsam landeten wir im Kies. Die vier mitgefahrenen Personen entfernten sich, nach einem kurzen Gruß, in verschiedene Richtungen, zielstrebig. Der Bus fuhr ab.

Ich stand neben meinem peinlich großen Koffer, gefüllt mit Sachen, die ich wahrscheinlich in dem einen Monat nicht brauchen würde, verloren. Der Wind versuchte vehement durch meinen Körper hindurch zu brausen und kühlte mich innerhalb weniger Minuten auf einen Schüttelfrost herunter. Per E-Mail hatten wir ausgemacht, Kurt würde mich in Skärplingnål vom Busterminal abholen. Mittelschweden, baltische Küste, April und ich stand zitternd in der Pampa in der Hoffnung dies sei ein Busterminal und außerdem der richtige. Die Schotterstraße führte in einer geraden Spur zu einer schmalen Landstraße. In einem Radius von 500 Metern waren nur braune Wiesen und Gestrüpp zu sehen. Nun gut, ich wollte ein Abenteuer, gratuliere es scheint zu klappen.

Wie meist unter Stress begann ich zu summen, wegen der Kälte auch hin und her zu wippen. Wenn mich jemand sieht, der glaubt ich spinn. Doch ich erkannte schnell, diese Befürchtung war grundlos, denn es war weit und breit kein Mensch. Ich warf meine Befangenheit in den Wind, summte lauter und wippte stärker. Die Wolken zogen in einem Höllentempo über den Himmel. Der Blick hinauf machte mich schwindlig. Die Einschätzung des Wetters zählte bisher nicht zu meinen Stärken, doch mit einer Spontan-Kompetenz entwickelte ich die gesicherte Prognose, dass der heftige Regen sogleich starten würde, schließlich war mein Reisegepäck aus durchlässigem Stoff und beinhaltete auch keinen Regenschirm. Ja, ich sehe gerne das Positive und erwarte das Beste.

Ich schlurfte durch den Kies. Die Steinchen spritzten hoch und rieselten wie Regentropfen auf den Boden. Gedanken wälzend, wo ich mich bei Regen unterstellen könnte, Bäume gab es nicht, hörte ich plötzlich Motorengeräusch. Ein klappriges Auto, einen leeren, hüpfenden Anhänger ziehend, fuhr direkt auf mich zu. Ein junger Mann mit wilder Haarpracht und Vollbart stieg gemächlich aus, faltete sich auf knapp 2 Meter Körpergröße auf, blickte mir direkt in die Augen, sagte nichts. „Bist du Kurt?“ fragte ich, den Kopf in den Nacken gelegt. Er nickte, schüttelte kurz meine Hand und hievte schwungvoll und schweigend meinen Koffer auf den Anhänger, dass der Schotter unter den Reifen knirschte. Er fädelte sich wieder hinter das Lenkrad und zog die Autotür mit einem blechernen Scheppern zu. Stille. Ich öffnete die Beifahrertür und zwängte mich auf den Sitz. Dabei versuchte ich den am Boden zusammengerollten Hund nicht zu treten. Er schaute mich hungrig an. Okay, ich denke das Abenteuer geht weiter, denn noch fühl ich mich überhaupt nicht gerettet.

(Vielleicht eine Fortsetzungsgeschichte, …???)

*Mit ad-hoc-Geschichte meine ich eine, „30-Minuten-Drauflosschreib-Geschichte“.

 

Morgen

Der Kaffee stürzt sich ihre Kehle hinunter als gäbe es kein morgen. Kann er da überhaupt Wirkung erzielen, so schnell wie der dahin ist und im Magen aufklatscht? Hab ich dann eigentlich was davon wenn der da nur bergab rast ohne links und rechts Aufputschgrüße auszusenden, einen schönen Tag zu wünschen, ohne aufzumuntern? Leichte Entrüstung rüttelt an ihrer Stimmung. Wo ist das Genussmittel hin, das im Gaumen lustvolle Laute aufmalt, das mir Milchschaumbläschen auf die Lippen setzt, wo ist es hin? Sie sitzt, das leere Häferl in den Händen, und starrt aus dem Fenster. Sie wartet. Sie wartet auf den Energieschub der Koffein-Stimulantien. Ich hoff die finden den Blutkreislauf!

Ihre Tochter spielt im Kinderzimmer mit den Playmobil-Figuren Pferdehofszenarien nach. Die halbe Stunde bevor der Schulbus kommt, ist wichtige Spielzeit. Sie hört ihr Kind in Dialogen reden, die Stimme klingt wie von einer Bibi & Tina-CD. Aufgesprochene Sätze mit vielen Rufzeichen, der Wortwechsel flüssig in der Abfolge. Kaum zu glauben, dass das aus dem Stegreif heraus passiert.
Sie schaut erneut in ihre Tasse, sieht nur einen schmierig dunklen Film am Keramikboden. Seufzend greift sie zum Löffel, schabt aus der aufgeschnittenen Kiwi-Hälfte einen Bissen Fruchtfleisch. Heißt eigentlich ein weiblicher Kiwi, die Kiwi, wie das Obst? Abrupt richtet sie sich auf. Sie ist nun bereit – zwar nicht auf das, was kommt, aber doch auf den Tag.

Ratschkattl * – neulich am Pferdehof

Basena0761_blog„Pferde!“ Ich hab’ keine Ahnung von Pferden, doch die Idee, das zu ändern. So fuhr ich aufs Land zu einem Pferdehof mit 17 Pferden, unterschiedlichster Rasse, eines schöner als das andere. Ich dachte, ich biete meine Mithilfe an und erfahre so etwas über diese Tiere und kann mich ihnen annähern. Ein guter Plan, so generell. Auf besagtem Hof wollten und brauchten sie ganz dringend Hilfe denn Arbeit gibt’s genug, doch lieber ist es ihnen, wenn niemand Fremder da ist. Schon gar nicht eine Person, die sie nicht kennen UND der man alles erklären muss. Geredet haben sie nur untereinander, meist mit wütender Bitterkeit über die Ungerechtigkeiten des Lebens. Ihren knappen Handlungsanweisungen lag eine latente Unzufriedenheit zu Grunde, Erklärungen zum Kontext sparten sie sich. Ich stellte Fragen, manche wurden beantwortet. Und mit Fortdauer des Tages ließ ich mich zur Flapsigkeit verleiten: „Wie lang laufen die Pferderln denn im Kreis?“ Vier Augenpaare fixierten mich abfällig, von einem schweren Seufzer begleitet: „Da laufen kane Pferderln im Kreis, die Pferd‘ gengan in der Führungsanlage und zwor bis ma fertig san.“ So nämlich.  Ich hab meine Unterstützung nach zwei Besuchen eingestellt. Eigentlich schade, denn die Pferde waren super!

*Die Ratschkattl in meiner Definition, ist eine begeisterte Erzählerin von belanglosen Alltagsbegebenheiten.